Prof. Dr. Gert Krischak eröffnete am 14. Oktober 2016 die Auftaktveranstaltung der Symposium Reihe FOCUS Rehabilitation mit dem Thema Kinder- und Jugendrehabilitation im Senatssaal der Universität Ulm. Zahlreiche Interessierte aus der Wissenschaft, den Kliniken, der Deutschen Rentenversicherung sowie der AOK Baden-Württemberg, Vertreter des Kultus- und Sozialministeriums Baden-Württemberg sowie zahlreiche Gäste erlebten spannende Impulsvorträge und interessante Diskussionen.

Dr. Dirk Dammann (Fachkliniken Wangen, Rehabilitationsklinik für Kinder und Jugendliche) berichtete über Praxiserfahrungen und Situationen aus dem Rehabilitationsalltag. Dabei verdeutlichte er in einem Fallbeispiel die Arbeit der Therapeuten und Ärzte, wenn es darum geht, ein Kind mit schulmeidendem Verhalten und Ängsten dabei zu unterstützen, am alltäglichen Leben teilzuhaben. Prof. Dr. Fabian Walling (Hochschule Ludwigsburg) erläuterte daran anschließend die rechtlichen Zugangswege zu einer Kinder- und Jugendrehabilitation über die gesetzliche Krankenversicherung, die gesetzliche Rentenversicherung, die Kinder- und Jugendhilfe sowie die Sozialhilfe. Er zeigte die Abgrenzung zwischen den verschiedenen Rehabilitationsträgern auf und verwies auf bevorstehende Neuerungen durch das Flexirentengesetz zum 01.01.2017. Die Perspektive der gesetzlichen Krankenversicherung war durch Andreas Schmöller (AOK Baden-Württemberg) vertreten. Er lobte die enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg und berichtete über das vereinfachte Antrags- und Bewilligungsverfahren. Wodurch der Weg zur Rehabilitation beschleunigt und die Versicherten bestmöglich unterstützt werden.

Nach einer kurzen Pause wagte Ulrich Hartschuh (Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg) einen Blick in die Zukunft und informierte sehr ausführlich über das Flexirentengesetz und die sich daraus ergebenden Chancen und Herausforderungen. Das Flexirentengesetz und die damit verbundene Ausgestaltung der Kinder- und Jugendrehabilitation als Pflichtleistung tragen künftig wesentlich zur Stärkung der Rehabilitation bei. Zudem wird es die Möglichkeit für Nachsorgeleistungen sowie für ambulante Kinder- und Jugendrehabilitationsmaßnahmen geben. Herr Hartschuh ging auf die Schwierigkeit beim Aufbau ambulanter Strukturen, wie es diese in der Erwachsenenrehabilitation gibt, ein und verdeutlichte dies anhand von Fallzahlen in der Kinder- und Jugendrehabilitation. Um die Herausforderungen anzugehen, findet derzeit ein reger Austausch statt.

Thorsten Gabor (Netzwerk Schulsozialarbeit e.V.) und Harald Wirth (Verein für Jugendhilfe im Landkreis Heidenheim e.V.) zeigten die niedrigschwellige und ganzheitliche Arbeitsweise der Schulsozialarbeit auf und berichteten über Erfahrungen aus dem Schulalltag. Diese Arbeitsansätze und das breite Arbeitsfeld der Schulsozialarbeit bieten die Möglichkeit für eine enge Zusammenarbeit, um Kindern und ihren Eltern auch nach ihrem Rehabilitationsaufenthalt eine weitere Betreuung anzubieten. Abschließend stellte Sabrina Ritter (IFR Ulm) die Kinder- und Jugendrehabilitation in das Licht der Versorgungsforschung und zeigte die Effekte einer Rehabilitation aus Sicht der Eltern und Kinder auf. Sowohl die Eltern als auch die Kinder waren mehrheitlich zufrieden bis sehr zufrieden mit den erreichten Veränderungen. Der Behandlungserfolg hielt mehrere Monate bis über ein Jahr an. Diese Ergebnisse zeigen, wie wertvoll eine Kinder- und Jugendrehabilitation für kranke Kinder und Jugendliche ist.

Prof. Dr. Gert Krischak dankte abschließend den Organisatoren, Referenten und Teilnehmenden für ein gelungenes erstes Symposium FOCUS Rehabilitation. Wie sehr das Thema interessierte und zum weiter diskutieren einlud verdeutlichte die rege Teilnahme am anschließenden Fachaustausch zum Thema Nachsorge nach einer Kinder- und Jugendrehabilitation, welchen Sabrina Ritter im Rahmen ihres durch die Nachwuchsakademie Versorgungsforschung Baden-Württemberg geförderten Projekts moderierte.

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