Unter dem Titel „Potenziale der Telerehabilitation“ fand auf dem 121. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation e.V. (DGPMR) eine ausgewählte Vortragsreihe zu Projekten statt, die neue Betreuungsangebote für Patienten, Ärzte und Therapeuten insbesondere in der nachstationären, häuslichen Phase der Rehabilitation entwickeln. Alle Projekte nutzen assistive oder telemedizinische Technologien, um Patienten eine externe Rückmeldung ihrer Bewegungsqualität anzubieten und Bewegungseinschränkungen zu therapieren. Die vorgestellten Systeme werden derzeit in verschiedenen Kliniken erprobt, einige kamen bereits im häuslichen Umfeld des Patienten zum Einsatz.

Prof. Krischak eröffnete die Sitzung gemeinsam mit dem Co-Vorsitzenden Dr. Michael John (Fraunhofer FOKUS). Einleitend führte Dr. John anschließend in das Themengebiet der telemedizinisch assistierten Rehabilitation ein und stellte in seinem Vortrag grundlegende Funktionen vor, die von Ärzten, Patienten und Therapeuten in bisher durchgeführten Projekten nachgefragt wurden. Der Vortrag von Marina Nusser (IFR Ulm) zeigte auf, wie ein Virtual Reality-gestütztes Trainingsverfahren bei chronischen Halswirbelsäulen-Beschwerden in den klinischen Behandlungsalltag integriert wurde und die Patienten durch diese Art der Intervention ihre Beweglichkeit verbessern sowie Schmerzen reduzieren konnten. Sophie Rabe (Universität Potsdam) präsentierte für die Studiengruppe ReMove-It das Studiendesign der angelaufenen Wirksamkeitsstudie zu dem Telerehabilitationssystem MeineReha®. Mit diesem System können Patienten nach Einsatz einer Knie- oder Hüftprothese ihre Bewegungstherapie nach dem stationären Rehabilitationsaufenthalt im häuslichen Umfeld weiterführen. Dr. Rüdiger Rupp (Universitätsklinikum Heidelberg) stellte seine Erfahrungen bei der Geräteentwicklung und der Durchführung eines robotischen Lokomotionstrainings vor. In Studien konnte bei inkomplett Querschnittgelähmten nachgewiesen werden, dass ein autonomes, häusliches Training mit dem vergleichsweise kostengünstigen Assistenzsystem MoreGait ähnlich positive Effekte auf die Gehgeschwindigkeit und Gehstrecke der Patienten hat wie aufwändige Großgeräte. Andreas Smurawski (Reha-Zentrum Lübben) blickte aus der Sicht der Usability-Forschung auf die Ergebnisse des Projekts RehaInteract und führte aus, welche auditiven, textuellen und grafischen Feedbackmechanismen ein telemedizinisches Assistenzsystem für eine optimale Benutzerführung enthalten solle. Abschließend gab Dr. Steffen Ortmann (IHP) einen Einblick in das Projekt StrokeBack. Hier entstand ein System zum Training von Hand- und Greifbewegungen im Rahmen der Schlaganfallrehabilitation, das nun weitergehend in einer klinischen Studie evaluiert werden soll.

Die Teilnehmer der Session waren sich einig, dass das neue Themenfeld der Telerehabilitation in Zukunft für die medizinische Versorgung aufgrund eines steigenden Bedarfes an präventiven und rehabilitativen Maßnahmen an Bedeutung gewinnen wird. Prof. Krischak dankte den Teilnehmern im Namen der DGPMR für die Teilnahme am Kongress und die praxisnahen Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte.

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Foto v.l.n.r.: Prof. Dr. R. Rupp, S. Ortmann, Prof. Dr. G. Krischak, M. Nusser, S. Rabe, A. Smurawski, Dr. M. John